Konflikte sind teuer und gefährden die Gesundheit

    Paul Kemp in der gleichnamigen Fernsehserie ist Mediator und besucht jede Woche die deutschen Wohnzimmer. Egal ob es um Konflikte mit Kollegen, Kunden oder Partnern geht, er recherchiert ein bisschen, beobachtet sehr genau und sagt ein paar wunderbare Sätze und allen geht es wieder gut.

     

    Ganz so geht es in Wirklichkeit meistens nicht – und trotzdem ist das Ergebnis einer Mediation sehr oft, dass die beiden Konfliktpartner auch die Wahrheit des Anderen sehen und für ihren Konfliktpartner Verständnis aufbringen können. Eine gute Basis für eine tragfähige Lösung. In den meisten Konflikten am Arbeitsplatz ist es schließlich auch in Zukunft erforderlich zusammenzuarbeiten.

     

    Konflikte am Arbeitsplatz sind ein zentraler Stressfaktor

    Wenn Informationen nicht mehr selbstverständlich fließen, wenn Themen schon x-mal besprochen wurden und sich trotzdem nichts ändert, wenn der Kontrollaufwand unverhältnismäßig hoch wird, wenn sich Koalitionen in Teams bilden, wenn nicht mehr das Ziel des Teams oder Projekts zählen, sondern dass man dem anderen eins auswischt, wird arbeiten emotional anstrengend. Langfristig erhöht das den Stress und macht Mitarbeiter krank.
    Die Ergebnisse bleiben im Übrigen weit unter den Möglichkeiten. Konfliktverhalten ist vielfältig: wo sich der eine zurückzieht und den Kontakt vermeidet, greift ein anderer an oder provoziert. Gemeinsam ist Konflikten, dass sie sich verschärfen, wenn es nicht gelingt, sie frühzeitig zu lösen. Es ist viel Energie gebunden, die nicht mehr für die eigentliche Arbeit zur Verfügung steht.

    Der Mediator als Übersetzer

    Ein Mediator kann in diesen Situationen als Übersetzer agieren, der hilft von Vorwürfen und Schuldzuweisungen zu einer Konzentration auf eine zukunftsgerichtete Lösung zu kommen und wieder ein Vertrauensverhältnis zu etablieren.

    Im Konflikt verengt sich die Wahrnehmung und auch die Verhaltensmöglichkeiten der Konfliktparteien. Ziel der Mediation ist, die Handlungsoptionen wieder zu erweitern:

     

    Stufen der Wahrnehmung

    • Stufe 1: Es gibt nur eine Wirklichkeitssicht, und das ist meine. Die zentrale Frage ist, wer ist der stärkere.
    • Stufe 2: Es gibt zwei Wirklichkeiten, die man unterteilen kann nach richtig und falsch. Richtig ist die meine. Die Konfliktparteien versuchen, den anderen zu überzeugen bzw. die eigene Sichtweise durchzusetzen
    • Stufe 3: Die unterschiedlichen Sichtweisen werden wahrgenommen und akzeptiert, so dass die dahinterliegenden Bedürfnisse ernst genommen werden können. Die Konfliktpartner konzentrieren sich wieder auf sich und werden so handlungsfähig.
    • Stufe 4: Die Konfliktpartner nehmen ihre Verstrickung wahr und können jetzt Lösungen auf der emotionalen und sachlichen Ebene finden. Sie verstehen die Dynamik des Konflikts im konkreten Fall und lösen sich von der Schuldfrage.

     

    Ergebnisse einer Mediation

    Im Idealfall etabliert sich im Laufe einer Mediation eine neue Kommunikationsstruktur und es wird wieder eine Vertrauensebene hergestellt, die konstruktives Arbeiten erlaubt. Eine Entwicklung, die auch weiter trägt und dazu führt, dass die getroffene Vereinbarung auch nachhaltig umgesetzt wird, nicht nur im Wortsinn, sondern im tatsächlich gemeinten Geist.

     

    Neben der klassischen Personalentwicklung, die darauf setzt, die Konfliktlösungskompetenz der Mitarbeiter zu steigern, ist die Mediation ein Ansatz, der in akuten Konfliktsituationen die Parteien unterstützt, schnell wieder arbeitsfähig zu werden. In verfahrenen Situationen ist es leichter, sich gegenüber einem Dritten, dem Mediator, offen zu äußern, als in der Konfliktdynamik hängen zu bleiben.

     

    Mediation ist damit ein Verfahren, das die Effizienz, die Arbeitsfähigkeit und das Wohlfühlen in der Arbeitssituation fördert und damit auch zu besseren und kreativeren Arbeitsergebnissen führt. Denn auch in der Arbeitswelt hat die emotionale Ebene eine zentrale Bedeutung.

     

    Wenn Sie also Konflikte haben, für die Sie keine (schnelle) Lösung finden, dann nichts wie ran an die Mediation.

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    Kommentare: 7
    • #1

      Volker Kittler (Donnerstag, 09 Oktober 2014 11:05)

      Ein modern, interessant und intelligent klingender Ansatz.
      Bieten Sie diese Leistung selbst oder über Partner an?

    • #2

      Bettina Wecker (Donnerstag, 09 Oktober 2014 21:47)

      Hallo Herr Kittler,
      das kommt ganz darauf an: im Zentrum unserer Arbeit stehen interne Konflikte zwischen Kollegen oder auch Mitarbeitern und Führungskräften, im Rahmen von Projekten oder innerhalb von Teams. Wir arbeiten dabei sowohl mit Einzelpersonen als auch mit Teams.
      Sind auch rechtliche Fragestellungen relevant, arbeiten wir im Team mit Anwälten zusammen, um unsere Kunden bei der Erarbeitung einer optimalen Lösung zu unterstützen. Wir sprechen gerne mit Ihnen über eine spezielle Vorgehensweise für Ihre Fragestellung.

    • #3

      Anna L. (Freitag, 10 Oktober 2014 08:31)

      Über den Blogbeitrag, den ich im Übrigen sehr klar und gut geschrieben finde, habe ich gestern Abend lange nachgedacht. Ist es nicht am Arbeitsplatz meistens so, dass die Unternehmen gar nicht versuchen, den Konflikt zu lösen, sondern sich lieber unliebsamer Personen entledigen (zumindest dort, wo die Menschen einiges an Geld kosten). Ansonsten wird der Konflikt ignoriert bis irgendwer, der es nicht mehr aushält, selbst geht (dort, wo die Mitarbeiter nicht so teuer sind).

      Ich erlebe in meinem Umfeld so viele Konflikte oder Konfliktchen, die oft gar nicht als solche wahrgenommen werden, weil den Menschen genau das Bewusstsein fehlt, das im Blogbeitrag beschrieben ist. Sie stehen bei Stufe 1 der Wahrnehmung, vielleicht bei Stufe 2.

      Bei einem mir bekannten Hundeverein (einer festen Gruppe von ca. 10 Leuten, die ich als nur manchmal Teilnehmende in den vergangenen 2 Jahren superharmonisch erlebte) ist es aufgrund von Kommentaren im Internet, Missverständnissen, bestimmten menschlichen Eigenschaften (ein Typ war mal Fernfahrer und begründet damit seine rauhe Art) soweit eskaliert, dass der bis dato gemeinsam genutzte Hundeplatz bis zum Jahresende von 2 "verfeindeten" Gruppen jeweils abwechselnd genutzt wird. Sie reden nicht mehr miteinander und gehen einander komplett aus dem Weg. Bin sehr gespannt, wie es dort weiter geht. Da wären Profis von Nöten.

      Genauso ist es in der Schule. Mit welchen sogenannten Zickenkriegen dort die Zeit verbracht wird bis es in den höheren Klassen irgendwann so eskaliert, dass Räume wegen Vandalismus geschlossen werden und die Polizei wegen Schlägereien gerufen wird. Ein hessisches Großstadtgymnasium in einem gutbürgerlichen Stadtviertel, 800 Schüler, 60 Nationalitäten, viele Hartz IV Empfänger, aber auch Kinder von Geschäftsführern, Bankern usw. Die Kinder, die zu Streitschlichtern ausgebildet werden, sind ein guter Ansatz (nur werden sie erst dann gerufen, wenn es total eskaliert), 2 Teambildungstage pro Klasse pro Schuljahr auch, aber eigentlich müsste viel mehr passieren (auch im Elternhaus). Diese Schüler werden später Abi machen, studieren und in den Unternehmen arbeiten. Nur ein Bruchteil hat gelernt, was ein Konflikt ist und wie man damit umgehen kann. Mediation hat auf jeden Fall Zukunft.

    • #4

      Volker Kittler (Montag, 13 Oktober 2014 11:25)

      Hallo Frau Wecker,
      vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich möchte gerne mehr über Ihre Arbeit erfahren und würde mich über ein Gespräch sehr freuen.
      Meine persönliche Beobachtung in den letzten Jahren ist, dass in vielen Unternehmen durchaus Bereitschaft besteht, Mitarbeiter nicht nur aktiv zu führen, sondern auch zu unterstützen, zu fördern und Konflikte anders zu lösen, als in obigem Kommentar beschrieben. Freilich fehlt es noch oft an dem Wissen um das konkrete wie und Erfahrungen mit "neuen" Methoden, wie z.B. der Mediation.

    • #5

      Bettina Wecker (Mittwoch, 15 Oktober 2014 08:47)

      wir erleben in unserem Umfeld beides: In der Tat gibt es in vielen Unternehmen sehr gute Ansätze, um die Mitarbeiter zu unterstützen. Führungskräfte, die wach sind für die Kommunikation in ihren Teams und die sich um Ergebnisse und Menschen kümmern, sind hier sehr wertvoll.
      Wir erleben aber auch, dass die Konfliktkultur in vielen Unternehmen noch eine große Herausforderung darstellt: die Beteiligten warten zu lange bis sie etwas ansprechen und dann hat sich so viel Ärger und Enttäuschung aufgestaut, dass ein konstruktives Gespräch sehr schwer fällt; Lösungen bleiben an der Oberfläche und tragen deshalb nicht lang; Konflikte zu haben und die eigenen Interessen nicht machtvoll durchzusetzen, ist nicht gut für das Image.

      Taktiken, um sich zu schützen und sich bei Interessenskonflikten möglichst bedeckt zu halten gibt es viele. Dort wo es gelingt, Konflikten aktiv zu bearbeiten und gerade deshalb auch für eine gemeinsame Lösung offen zu sein, ist schon sehr viel gewonnen. Sich Unterstützung bei Konflikten in Form einer Mediation zu holen, setzt Zeichen und stellt die Chancen, die in einer erfolgreichen Konfliktlösung liegen, in den Vordergrund. Wenn die Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten wahrgenommen und berücksichtigt werden, gewinnen meistens alle Betroffenen. Oft finden sich dann doch Wege, wie das positive Potential der Mitarbeiter weiterhin im Unternehmen zum Tragen kommt und eine Trennung über Abfindungen oder auch Kündigung seitens des Mitarbeiters nicht erforderlich ist.

    • #6

      Isela Chaudhry (Mittwoch, 08 Februar 2017 09:41)


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    • #7

      Portia Dahlgren (Mittwoch, 08 Februar 2017 17:20)


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