Entscheidungen sicher treffen

    Führungskräfte werden auf alles

    vorbereitet – nur nicht darauf, in einer unsicheren Welt sicher zu entscheiden.

     

    Laut einer Studie der Unternehmensberatung Hay Group aus dem Jahr 2013 ist jeder zweite Mitarbeiter (52 Prozent) in Deutschland davon überzeugt, dass sein Chef zu lange zögert, bis er eine Entscheidung trifft. Die Folgen: Mitarbeiter verlieren Respekt und Achtung vor ihren Chefs, werden demotiviert und empfinden die

    Entscheidungsunfähigkeit als Inkompetenz und Schwäche.

     

    Selbst die motiviertesten Mitarbeiter verzweifeln, wenn sie dauernd in einer Warteschleife hängen, weil ihre Vorgesetzten sich nicht zum nötigen „Go“ durchringen können. Häufig werden solche Führungskräfte von unten – von den eigenen Mitarbeitern – geführt, die einen Teil der operativen Aufgaben des Vorgesetzten übernehmen, Entscheidungen vorbereiten und intern absichern. Denn sie wissen, dass ein Vorgesetzter, der

    seine Aufgaben nicht erfüllt, sich und seinen gesamten Verantwortungsbereich angreifbar macht und letztlich auch ihre Jobs gefährdet.

    Entscheidungsscheue Führungskräfte brüskieren auch Geschäftspartner, lassen Projekte stagnieren und fertige Konzepte in der Schubladen verstauben. So werden ganze Bereiche und Abteilungen handlungsunfähig. Sogar das Überleben des Unternehmens wird gefährdet: Wenn die Verantwortlichen zu langsam reagieren, bleiben nötige Anpassungen an veränderte Marktbedingungen aus. Wettbewerber ziehen dann am Unternehmen vorbei.

    Die meisten Firmen aber tun kaum etwas dafür, die Entscheidungsfähigkeit ihrer Führungskräfte zu erhöhen. Warum? Entscheiden zu können, gehört genuin zum Managerjob. Somit wird erwartet, dass Chefs über

    diese Kompetenz verfügen. Wird deutlich, dass dies nicht der Fall ist, ist es vielen Unternehmen peinlich, dies zugeben zu müssen. Lieber wird auf die Qualifizierung verzichtet. Die Bosse selbst geben sich natürlich keine Blöße. Wichtig ist für sie, die Zügel in ihren Händen zu behalten, selbst wenn nicht alles so läuft, wie sie es sich vorstellen.

     

    Entscheidungsmuskel trainieren

     

    Dabei ließe sich viel tun, um die Entscheidungsfähigkeit zu verbessern – und zwar sowohl auf der Ebene der Organisation wie auch auf der Ebene der individuellen Kompetenz. Auf der Ebene des Systems sollte etwa ein entscheidungsfreudigeres Umfeld geschaffen werden. Eine wichtige Voraussetzung dazu ist der Abbau

    strenger Hierarchien. Dezentrale Strukturen verändern die Entscheidungskultur und damit die Bereitschaft zu entscheiden.

     

    Auch ahnen viele nicht, dass sich die persönliche Entscheidungskompetenz trainieren lässt wie ein Muskel. Führungskräfte sollten sich beispielsweise die Grundlagen wirksamer Entscheidungen aneignen, Strategien zur Entscheidungsfindung anwenden lernen, ihr persönliches Muster zur Entscheidungsfindung erkennen und reflektieren sowie die Vorteile und Nachteile der wichtigsten Entscheidungstools nutzen

    können.

     

    Mit mehr Wissen, was gute Entscheidungen ausmacht und wie diese zu treffen sind – nämlich, dass die beiden Entscheidungssysteme Verstand und Gefühl an einem gemeinsamen Strang ziehen, statt sich gegenseitig zu torpedieren –, fällt es Führungskräften leichter, Optionen zu bewerten, kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen abzuwägen. Selbst in komplexen Situationen, in denen sehr viele Komponenten zu

    berücksichtigen sind, treffen sie dann verlässlich Entscheidungen, die Energien für Handlungen freisetzen und eine nachhaltige Wirkung zeigen. Dazu aber bedarfes zunächst der Bereitschaft, überhaupt zuzugeben, dass viele Führungskräfte ein Entscheidungsproblem haben.

     

    Wie treffen Sie gute Entscheidungen?

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