Komplexität als feste Größe im Leben – reduzieren, managen oder akzeptieren?

    Zerrissen zwischen sich widersprechenden Zielen; Unmengen von Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Sie sollen eine Entscheidung treffen, haben aber keine Zeit.

     

    Kennen Sie das?

     

    Unsere Arbeitswirklichkeit ist komplex, das Tempo und der Druck sind hoch. Es gilt Komplexität zu reduzieren. Dafür werden Informationen gesammelt, Zielgruppen analysiert, diverse Teams gebildet. Doch geht das überhaupt? Wurde sie an der einen Stelle reduziert, vergrößert sie sich an anderer Stelle und ist damit nur verschoben. Komplexität lässt sich nicht reduzieren. Wird es für den Nutzer einfach, ist der Aufwand des Entwicklers größer und umgekehrt.

    Der größte Treiber von Komplexität sind soziale Beziehungen. Eine Glühlampe kennt zwei Zustände: an und aus. Bei 5 Glühlampen sind es bereits 32 Möglichkeiten. Sie sind eindeutig sichtbar, die Regeln sind klar. Im Arbeitsalltag ist das nur selten der Fall.

     

    In einer Organisation stellen sich viele Fragen, die selten eindeutig zu beantworten sind: Wer ist überhaupt betroffen und welche Interessen treiben ihn an? Welche parallelen Entwicklungen gibt es im Unternehmen und auf dem Markt. Was dient meinen Zielen mehr? Meistens gibt es mehrere, und häufig auch konkurrierende. Oft lässt sich das Ziel erst auf dem Weg definieren, weil sonst Neues ja nicht neu wäre. Deshalb wird es bei aller gründlichen Analyse und Vorbereitung immer zu unvorhergesehen Ereignissen kommen. Im Idealfall habe ich sie alle vorausgedacht und vorbereitet. Durch die vielen parallelen Entwicklungen und vernetzten Akteure bleibt es in der Realität allerdings häufig undurchschaubar.

     

    Was bleibt als Möglichkeit?

     

    Vertrauen in die Kollegen und Geschäftspartner. Damit besteht zumindest die Chance, selbst kleine Veränderungen frühzeitig zu erfahren und handlungsfähig zu bleiben. Aus unserer Sicht ist deshalb Kommunikation das Mittel der Wahl für den Umgang mit Komplexität. Ausprobieren was passiert, wenn ich an einer Stelle etwas verändere, um Zusammenhänge zu erkennen. Wenn ich die Variabilität meiner Reaktionsmöglichkeiten erhöhe und damit meine Verhaltenskomplexität erhöhe, steigt die Wahrscheinlichkeit, die geeignete Vorgehensweise für unvorhergesehene Ereignisse zu finden.

     

    Dialog mit allen Beteiligten

    Wie gut bin im Kontakt mit meinen Geschäftspartnern? Kenne ich ihre funktionalen und persönlichen Interessen? Wie schnell erkenne ich die Auswirkungen von Aktivitäten und wie gut kann ich darauf reagieren? Wie gut kann ich konkurrierende Ziele ausbalancieren und eventuell nachsteuern, wenn es erforderlich ist? Wie erkenne ich den Überschneidungsbereich unserer Ziele, um ernsthaftes Engagement in die gleiche Richtung zu erreichen und somit Kreativität freizusetzen? Intensiver Dialog in alle Richtungen ist deshalb essentiell, um frühzeitig angemessen reagieren zu können.

     

    Aushalten und Ausbalancieren von Unsicherheit

    Ambiguitätstoleranz ist das Schlagwort. Es beschreibt die Fähigkeit, Unsicherheiten aushalten zu können und Sicherheit im Kontakt und Austausch mit anderen zu erreichen. Mit diesem Vorgehen sind kleine Schritte möglich, die zum Ziel führen. Manchmal gilt es auch auf der Basis neuer Erkenntnisse das Ziel anzupassen oder zumindest den Zeitplan, bis die Vision erreicht wird.

     

    Intensive Reflexion

    Was ist der Kern meines Ziels und wie kann ich ihn anderen vermitteln? Wie ist die Kernbotschaft meiner Aussage und wie ist das anschlussfähig für meine Partner? Bewusstes Innehalten vor dem nächsten Schritt, um Wirkungen wahrzunehmen, bevor die nächste Aktion stattfindet und die eigenen Handlungen bewusst zu steuern.

     

    Die hier vorgestellten Lösungsansätze decken nur Teile des Themas Komplexität ab. Deshalb interessiert uns Ihre Meinung dazu:

    Wie halten Sie es im Umgang mit Komplexität? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns.


     

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